Skip to main content

Im Land der Medici

Wir leben zwar in unseren modernen Zeiten ganz im hier und jetzt, in unserer Freizeit aber lieben wir es, uns in andere Zeiten zu versetzen. Dafür bietet eine Reise in die Toskana mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten aus längst vergangener Zeit reichlich Gelegenheit.

Wir machten uns also auf der modernen Reiseroute, der Autobahn, auf in Richtung Florenz und Umgebung. Unser Ziel war ein Hotel auf dem Lande, die Villa Pitiana in Donnini. Diese Villa in der Nähe von Pontassieve mit einem wunderschönen großen Park mit altem Baumbestand erinnert an einen grandiosen alten Palazzo. Die Villa Pitiana ist sehr ruhig gelegen, abseits der Touristenpfade. Hier hat man das Gefühl, in einem erhabenen, herrschaftlichen Gebäude zu leben, wie in einem Palast, obwohl man uns sagte, das Gebäude war früher mal ein Kloster. Die Zimmer im alten Stil sind mit antiken Möbeln ausgestattet. Besonders haben wir die wunderbare, typisch toskanische Küche mit Menüwahl am Abend genossen.

Das Hotel liegt ruhig in der toskanischen Landschaft, trotzdem ist man in kurzer Zeit mitten im pulsierenden Leben von Florenz. 4 km entfernt liegt der Bahnhof von S.Ellero. Von dort aus fährt regelmäßig ein Zug mitten nach Florenz. In Italien sind die Züge preisgünstig und vor allem fahren sie auch nachts. So haben wir der Citymaut und der Parkplatzknappheit in Florenz ein Schnippchen geschlagen.

In der unmittelbaren Umgebung von Donnini befindet sich die Abtei Vallombrosa, ein wirklich sehenswertes Kloster.

Toskana

Toskana ©iStockphoto/jenifoto

Florenz

In Florenz haben wir trotz der vielen Reisegruppen, die sich jeden Tag dort tummeln, das Gefühl, Cosimo di Medici biegt gleich um die nächste Ecke. Die Gebäude versetzen einen zurück in die Zeit, als die Medici mit ihrem Reichtum nicht nur Florenz und die Toskana, sondern ganz Europa beherrschten. Und es heißt ja auch, Katharina von Medici habe die feine Küche nach Frankreich exportiert…

Kommt man, so wie wir aus München, fühlt man sich besonders heimisch. Befinden sich doch in der Weltstadt mit Herz mehrere Kopien von Gebäuden in Florenz: die Loggia dei Lanzi diente als Vorbild der Feldherrnhalle, der Palazzo Pitti für die Residenz der bayerischen Könige. Ja, ja, nicht nur die Chinesen verstehen sich aufs Kopieren. Nachdem wir uns brav in die Warteschlange bei den Uffizien eingereiht haben, um ganz nah die Meisterwerke der berühmten Maler zu bewundern, bummeln wir nach dem Kunstgenuss durch die Altstadt. Der schöne David von Michelangelo, der Dom, das Baptisterium und natürlich die Ponte Vecchio, eine Brücke über den Arno. Dort widerstehen wir der Versuchung, in einem der zahlreichen Gold- und Schmuckläden auf der Brücke neues Geschmeide zu kaufen.

Nach so viel Kunstgenuss darf auch das leibliche Wohl nicht außer Acht gelassen werden. Wir streifen also wieder einmal – wie schon oft – durch die engen, dunklen Gassen, die parallel zum Arno verlaufen. Dort entdecken wir unser persönliches Lichtzeichen, klein und dezent, das weiße Wildschwein als angeleuchtetes Blechschild. Dies weist uns den Weg zur Osteria del Cinghiale Bianco, dem Gasthaus zum weißen Wildschwein in der Borgo S. Jacopo, 43 r. Dort stärken wir uns in der Atmosphäre einer Taverne mit typisch toskanischen Gerichten.

Florenz bezeichnet man auch als die Hauptstadt der Spinat-Esser. Das heißt, Gerichte, die auf den Speisekarten „alla fiorentina“ heißen, sind meistens mit Spinat als Zutat. Aber es gibt auch eine Ausnahme: die berühmte bistecca fiorentina. Dies ist ein Riesen-Steak von den weißen Rindern, dick und groß, eine kulinarische Köstlichkeit, von der mindestens zwei Personen satt werden. Für den Genuss einer typischen bistecca vom offenen Feuer gehen wir zu Giannino in San Lorenzo, einem Ristorante mit Rosticceria und einer gut sortierten Enoteca (Weinhandlung) in Borgo s.Lorenzo 33/35/37. Hier kann man die volle „Fleischeslust“ erleben.

Für den Kaffeegenuss kehren wir im Café Gilli auf der Piazza della Repubblica ein. Dieses alteingesessene Café gibt es seit 1733. Besonders empfehlen wir auch die Pralinen aus eigener Herstellung.

Ein Ausflug mit dem Auto ins Land des Gallo Nero

Wir fahren auf der Chiantistraße, der Chiantigiana, durch eine liebliche, wunderschöne Gegend der Toskana mit Weinbergen, kleinen Ortschaften und geschwungenen Landstraßen. Zu Beginn der Straße, noch in Florenz, besuchen wir die Certosa di Galluzzo, ein Kloster aus dem 14. Jahrhundert. Dort besichtigen wir den wunderschönen Renaissance-Kreuzgang und die barocke Kirche mit den gut erhaltenen Fresken. Nach einer kurzen Führung versorgen wir uns mit Souvenirs aus dem Klosterladen.
Und weiter geht es durch das Chianti, das Land des Gallo Nero. So bezeichnet man den schwarzen Hahn, der auf den Chianti-Weinflaschen mit besonderer Qualität als Gütesiegel prangt. Auch tragen die Flaschen am Hals ein Etikett mit einer Nummer.
Wir besuchen die kleinen Ortschaften Greve, Castellina in Chianti und Radda. Unzählige Weingüter und kleine Restaurants säumen unseren Weg. Hier kehrt am Sonntag die Bevölkerung von Florenz beim Ausflug aufs Land zum Mittagessen ein.

Siena

In Siena hatten wir das absolut gotische Feeling. Denn vom Parkplatz aus laufen wir in die Innenstadt, durch enge, dunkle Gassen. Hier kann man sich so richtig die Gotik und das Mittelalter vorstellen. Und plötzlich steht man am Ende dieser engen Gassen da und staunt: Ein umwerfender Blick eröffnet sich auf den Piazza del Campo, einen fächer- oder muschelförmigen Platz mit der Fonte Gaia, einem Brunnen, in der Mitte und am Rande dem Rathaus mit dem berühmten Turm Torre del Mangia, den man nicht nur wegen des Kalorienabbaus besteigen sollte.

Auf der Piazza del Campo findet jedes Jahr zwischen 2. Juli und 16. August der so genannte Palio statt. Bei diesem Ritterturnier kämpfen die einzelnen Stadtviertel, die Contrade, gegeneinander. Jedes Viertel hat seine eigenen Farben und Fahnen, die man auch am Souvenirstand kaufen kann. Am Ende der temporeichen Rallye zu Pferd um den Platz, die einem schon mal den Atem stocken lässt, gewinnt das Pferd, das als erstes, vor allem aber mit Reiter nach drei Runden um den Platz ins Ziel einläuft.

Nach so viel Aufregung haben wir uns eine Stärkung verdient: In der Konditorei Nannini, die die Familie der Rocksängerin Gianna Nannini betreibt, stärken wir uns mit Panforte, einer Art Lebkuchen. Ganz in der Nähe befindet sich die Säule mit Romulus und Remus, die sich bei der Wölfin stärken. Für die geistige Nahrung sorgt ein Besuch des Doms Santa Maria mit den berühmten Einlegearbeiten aus Marmor im Fußboden und der Außenfassade aus weißem und grünem Marmor. Zum Abschluss besuchen wir das Santuario e Casa di Santa Caterina. Dies ist die Wallfahrtskirche der Hl. Katharina von Siena, der Schutzpatronin der Stadt. Hier muss man gewesen sein, um sagen zu können, wir haben Siena in allen Facetten genossen.

San Gimignano

Diese außergewöhnliche Stadt bezeichnet man auch als das Manhattan des Mittelalters. San Gimignano ist UNESCO Weltkulturerbe und das nicht ohne Grund. Die vielen so genannten Geschlechtertürme geben ein ganz besonderes Bild. Früher übertrumpften sich die Familien von San Gimignano gegenseitig, wer den höchsten Turm baut. Sehenswert sind aber auch die Fresken in der Kirche und der Alte Ziehbrunnen „Cisterna“ auf dem Platz vor dem Rathaus. Von der Terrasse des Hotel-Restaurants Bel Soggiorno, was so viel heißt wie schöner Aufenthalt, hat man einer super Aussicht auf die wunderschöne Landschaft und die Farben der Toskana.

Wir genießen die typische Küche und dazu den Vernaccia di San Gimignano, einen leicht prickelnden, charakteristischen Weißwein, der meistens mit bunten Kapseln am Flaschenhals versehen wird. Man erkennt ihn in den Weinhandlungen sofort an den gelben, violetten oder andersfarbigen Hüllen für die Korken. Für zuhause kaufen wir uns noch einiges Geschirr aus Keramik und natürlich eine Wildschweinsalami.

Top Artikel in Toskana